Der raschfoto.de Blog

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Muss es denn immer die Bundesliga sein?

veröffentlicht am 30.05.2017 von Ralf

Hey zusammen.

Auf dem Weg zum Shooting mit Kim in Köln haben wir uns durch unseren Podcast-Liste gearbeitet. Wir hören viele Podcasts, viele davon mit Bezug zur Fotografie. Durch die aktuelle Folge des Uncle Bobcasts kam zwischen Yvonne und mir eine spannende Diskussion auf: Muss es denn immer die Bundesliga sein? OK die Frage bedarf ein wenig Erklärung:

Innerhalb der Fotoszene geht es nach unserer Wahrnehmung immer mehr ums Buisiness. Uns erscheint es so, als ob immer mehr Menschen den Weg in die Selbstständigkeit im Fotobereich wagen. Dies wird durch eine Viezahl an Pubikationen gepusht oder sogar provoziert. Von Tipps zum Weg in die Selbstständigkeit, über Verkaufstrainings bis hin zu den ultimativen Marketintipps gibt es mittlerweile alles für Fotografen. Der Weg in die Selbstständigkeit ist schließlich einfach und wenn man sich innerhalb der Szene bewegt entsteht der Eindruck, dass die fotografische Selbstständigkeit das goldene Land darstellt. Es lockt die Vorstellung auszuschlafen, am Abend ab und an für viel Geld ein Mädel im Gegenlicht zu fotografieren, 10 oder 15 Hochzeiten im Jahr zu begleiten und damit ein grandioses Jahreseinkommen zu erreichen. Dann wird man am besten noch durch Workshops und Videos zum „Szenestar“, hat immer die neusten Kameras zur Verfügung und wird auf der Photokina von anderen aus der Szene erkannt. Das klingt schon recht geil. Wenn man dann aber mitbekommt, dass selbstständige Fotografen ihre Miete mit ganz anderen Aufträgen sichern, bröckelt die Vorstellung ein wenig. Noch unschöner ist jedoch, dass diese „Brot und Butter Aufträge" in der Szene nur wenig bekannt ist. Man „sieht“ in den sozialen Medien eben nur das coole Shooting an geilen Orten der Welt und weniger die „Arbeit“. Es ist halt besser fürs Image, wenn man nur auf geilen Hochzeiten mit dem Brautpaar bis in die Nacht feiert und dann noch gutes Geld dafür bekommt, als dass man für Immobilienmakler Bilder von Häusern macht.

Wenn wir dann noch mitbekommen, wieviel Zeit die wenigen „Szenestars“ mit Social Media verbringen und wieviel Kraft sie in ihre kontinuierliche Präsenz stecken bröckelt die glitzernde Fassade für uns irgendwie noch weiter.

Kommen wir zurück zur Frage nach der Bundeliga. Wer im Fußball in die Bundesliga will, der muss 101% Kraft investieren. Das ganze Leben dieser Profis dreht sich um Fußball. Klar lockt Reichtum und Bekanntheit, aber so richtig machen was man will kann man dann auch nicht mehr. Ich will hier keine Diskussion losbrechen, ob die Fußballer genau das wollen. Darum geht es nicht. Es geht um den tatsächlichen Aufwand im Vergleich zu dem in der Öffentlichkeit wahrgenommenen. Wenn man einen Bundesligaprofi mit einem Kreis- oder Verbandsligaspieler vergleicht, dann wird schnell klar was ich meine. Jemand der in der Kreisliga spielt, verbringt einen Teil seines Lebens auf dem Fußballplatz. Er hat aber auch noch andere Lebensschwerpunkte. Ein Job der die Miete sichert, Zeit für die Familie und vielleicht ein Hobby neben dem Fußball. Der Fußballprofi kann das (während seiner aktiven Karriere) vermutlich weniger miteinander vereinbaren. In der Öffentlichkeit wird leider nicht gezeigt, dass die Profis mehr als zweimal die Woche bei Wind und Wetter trainieren, der Speiseplan eingehalten werden muss und eine Verletzung maßgeblichen Einfluss auf ihre Karriere haben wird. Auch ein internationaler Umzug könnte notwendig werden. Und auf den Mythos des Sexverbots vor wichtigen Turnieren möchte ich jetzt garnicht eingehen. ;) Ist man dazu nicht bereit ist das Ziel Bundesliga wohl nicht das richtige. Mal davon abgesehen, dass die wenigsten dieses Ziel überhaupt erreichen.

Yvonne und ich spielen gerne in der fotografischen Verbandsliga. Wir können auch mal ein Eis essen, ohne dass der Trainer uns beim nächste Training den Hintern aufreißt. Wir können uns überlegen, welche Spiele wir spielen wollen. Sagt uns ein Auftrag nicht zu KÖNNEN wir den ablehnen, da unsere Miete anderweitig gesichert ist. Vor allem haben wir noch ausreichend Ressourcen für andere Schwerpunkte im Leben. Für uns ist es absolut nicht erstrebenswert in die Bundesliga zu kommen. Ganz wichtig: Uns geht es hier nicht um die Qualität der fotografischen Arbeit. Vermutlich gibt es in den Verbandsligen Spieler die problemlos in der Bundesliga spielen könnten. Es geht nur darum, womit der einzelne seinen Tag füllt und wie viele Schwerpunkte man im Leben hat, bzw. haben möchte.

Leider vermitteln viele „Stars“ der Fotoszene, dass man nur in der Bundesliga glücklich werden kann. Mit dieser Erwartungshaltung verkaufen sich die ganzen Trainings natürlich besser und man sichert seine eigene Position als Coach. Wenn jedoch alle suggeriert bekommen, dass der Weg in die Bundeliga einfach ist, dann kann das nicht gesund sein. Vielleicht sollte man sich im Klaren sein, dass dort eben nicht nur Milch und Honig fließt, sondern der weite Weg oft mit Schweiß und Tränen gepflastert ist.

So genug für heute. Vielleicht denkt der ein oder andere mal drüber nach und ist glücklich mit dem was er hat: tollen Erlebnissen in der Verbandsliga. Und dann kann man sich ab und an das Leben der Stars in der Bundesliga angucken.

Wir wünschen euch einen schönen Abend, eure Meinung ist uns natürlich wie immer wichtig. Wir freuen uns auf euer Feedback.



Yvonne und Ralf von raschfoto.de

Wie lange lebt ein Bild?

veröffentlicht am 13.11.2013 von Ralf

"Unendlich!“ oder „Kommt drauf an, wie gut es ist!“ werden jetzt bestimmt viele von euch sagen. Ich habe in der letzten Zeit immer häufiger darüber nachgedacht. Wie im letzten Blogeintrag „Für wen fotografieren wir eigentlich“ möchte ich euch in diesem Blogeintrag mal ein wenig an meinen Gedanken teil haben lassen.

Ich fotografiere nur zum Spaß. Ich möchte Bildideen entwickeln, umsetzen, daran lernen und mich dann am tollen Bild erfreuen. Und ich möchte das meine Bilder gesehen werden. Ein Follower auf FB sagte zu dem Artikel: „ Ganz einfach: Ich bin extrovertierter Spaßfotograf!“ Und genau das beschreibt mich ganz gut.
Aber nun zum heutigen Thema: Welche Möglichkeiten habe ich mein Bild zu zeigen?

Auf der Festplatte:
Seitdem es digitale Bilder gibt lagern viele Fotos auf Festplatten. Hier wird alles brav in Ordnern geordnet abgespeichert. Bei Bedarf zeigt man „Die Bilder vom letzten Urlaub“ oder die „Hochzeitsbilder“ mal auf dem PC oder TV. Viele Bilder werden hier allerdings schnell übergangen, man setzt sich nicht so intensiv mit den Bildern auseinander. Man „flitscht“ die schnell durch. Auch die Anzahl an geschossenen Bildern hat im digitalen Zeitalter zugenommen. Wurde früher aus dem Urlaub 1-2 Filme mitgebracht (50-70 Bilder), kommt man heute mit Speicherkarten oder Festplatten voll Bildern wieder. Speicherplatz kostet ja nichts, deshalb wird auch nichts gelöscht, egal wie schlecht das Bild ist.

Eine eigene Homepage:
Super Sache, macht mega viel Spaß. Aber die Besucherzahlen halten sich im Rahmen. Vor allem zu Beginn seines Hobbys verirren sich ganz selten Menschen zu deinen Bildern. Das ist sehr unbefriedigend. Außerdem bekommt man wenig Feedback, weil viele konsumieren, aber mal ein paar Minuten für ne Nachricht oder einen Kommentar ist selten drin. Steigen die Besucherzahlen und die Kommentare, so motiviert dies allerdings ungemein.

Fotoplattformen:
Fotocommunity, Model-Kartei, 500px und wie sie nicht alle heißen. Hier können Fotografen anderen Fotografen ihre Bilder zeigen. Da kommt wieder die Aussage: „Zaubert ein Zauberer für andere Zauberer?“ Meiner Erfahrung nach fällt es vielen Fotografen sehr schwer ein Bild mal uneingeschränkt zu loben. Es wird immer an irgendetwas rum bemängelt. Und als Argument dafür kommt dann: „Ja man muss ja kritikfähig sein und nur so kann man wachsen!“ Dem stimme ich voll und ganz zu, aber die Qualität der Kritik ist doch ganz entscheidend. Und gibt es überhaupt Regeln in einem Bereich, in dem es ausschließlich um Geschmack geht? Aber diesem Thema möchte ich mich in einem anderen Artikel annehmen. Also wie lange lebt ein Bild in den Communitys? In der Regel solange es unter „Neu“ liegt (diese Seite schauen viele Besucher/Nutzer regelmässig durch) oder solange andere Nutzer es liken und mögen (ich nutze hauptsächlich 500px). Sobald ein Bild aber „älter“ ist und etwas den Schwung des neuen verloren hat, kommt es ganz selten wieder hervor. Ich merke dass daran, dass selbst (am Anfang) super bewertete Bilder relativ schnell wieder abflauen und dann kein einzges like mehr abbekommt.

Facebook:
Kommen wir zum „Foto-Grab“ Facebook.
Ich habe noch keinen Ort erlebt, an dem ein Bild so schnell „verbraucht“ ist, wie Facebook. Kaum ist ein Bild online wird es geliket und manchmal kommentiert. Aber binnen kürzester Zeit (die Timeline bei Facebook ist doch eine sehr schnelle) ist das Bild „weg“. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist auch noch sehr wichtig. Je mehr pro Minute gepostet wird, umso schneller ist das Bild „nach unten gerutscht“. Am besten postet man nachts, dann ist dein Bild morgens das erste was deine Follower sehen. Ob es mir das aber wert ist?
Nur ganz selten macht sich jemand die Mühe in ein Fotoalbum rein zu schauen und „alte“ Bilder zu liken oder kommentieren. Es ist wirklich der Wahnsinn. Ein spannendes Phänomen: Ich bin in einigen Fotogruppen bei Facebook und habe als Experiment ein und das selbe Bild an mehreren Tagen hintereinander in diesen Gruppen verlinkt. Nicht einmal kam eine Beschwerde „das Bild hast du schonmal gezeigt, das kenne ich schon“. Erschreckend, wie ich finde. Wieso lade ich meine Bilder trotzdem da hoch? Weil es nirgends anders eine so große Reichweite, sprich ein so großes Publikum, wie auf Facebook. Ein wichtiger Hinweis von Calvin Hollywood: Ich verknüpfe in jeder Bildbeschreibung meine Homepage und meinen 500px-Account. Damit man eben auch diese Seiten findet und so aus einem flüchtigen Besuch vielleicht ein dauerhafter Betrachter unserer Bilder und Blogbeiträge wird.

Eine Ausstellung/Veröffentlichung in einer Zeitschrift:
Sehr selten dran zu kommen. Wenn man das mal geschafft hat, dann ist das ein ganz besonderer Moment. Leider habe ich es noch nicht geschafft, aber ich arbeite dran. ;) Die Bilder haben eine sehr lange „Lebenszeit“ in der Erinnerung der Betrachter, auch wenn das Publikum wiederum sehr begrenzt ist.

Wie mache ich es nun:
Ganz einfache Lösung: Ich bestelle meine besten Bilder aus jedem Shooting in mindestens 20x30cm. Dies kommen in eine große Mappe (eine Din-A4 Besprechungsmappe mit Ringen, die Bilder dann in Klarsichthüllen „abgeheftet“) die man durchblättern kann. Die Mappe nehme ich gerne schonmal mit und gebe sie Leuten in die Hand. Es ist faszinierend zu sehen, wie viel mehr Zeit Menschen sich mit dem Foto nehmen, wenn sie es in der Hand halten. Auf dem iPad wird ein Bild schnell weg gewischt. „Schön (wisch), Toll (wisch), Naja (wisch)….“ Das ist mir bei meinem „Album“ noch nicht passiert…Die allerbesten kommen dann an eine Wand in meinem Büro/Hobbystudio. So haben wir sie regelmäßig vor Augen und jeder, der uns besuchen kommt auch. DIESES Bild z.B. haben wir auf Leinwand bestellt. Dieses Bild hat eine deutlich höhere „Lebenserwartung", als z.B. auf Facebook. Somit unsere eigene kleine Ausstellung...


Also mein Tipp: DRUCKT EURE BILDER…

Wie immer bin ich gespannt auf eure Meinung. Einfach unter den Artikel posten. Vielleicht habt ihr ja nen Tipp für mich… Oder ein Feedback. Da freue ich mich immer… ;)